Mi 06.09.2017 19:30 Alter: 97 days

"Generation Kunduz"

Kategorie: September, Verschiedenes, Kino

Film mit Filmgespräch

Preisgekrönter Film "Generation Kunduz" und Autorengespräch am 6.9. im Klösterchen

Kaum ein anderes der geschundenen Länder dieser Erde ist neben Syrien so oft im Gespräch wie Afghanistan. Und dies wohl besonders, weil dort auch deutsche Truppen stationiert sind weil viele sich selbst überschätzende Militärs und Staatsmänner immer noch glauben, man könne den Konflikt dort mit Waffen gewinnen. Mitten hinein in diese fast auswegslos erscheinende Situation hat der Regisseur Martin Gerner, der auch als Autor für die ARD und den Deutschlandfunk arbeitet, einen völlig anderen Blick auf die Situation dort mit dem preisgekrönten Dokumentarfilm  "GENERATION KUNDUZ" gewagt. Er erzählt die Geschichte von fünf jungen Afghanen: Mirwais, 10 Jahre und noch ein Kind, redet über Krieg und Frieden fast wie ein Erwachsener. Nazanin, eine Lokalreporterin, kämpft für Gleichberechtigung obwohl sie die Burka tragen muss. Hasib, Student mit Baseballmütze, träumt von freien und fairen Wahlen. Ghulam und Khatera drehen einen Spielfilm, mitten im bewaffneten Konflikt. Einblick in die Seelenlage einer jungen Generation, die zwischen Taliban und ausländischem Militär aufwächst und sich nach einer offenen Gesellschaft sehnt, einem arabischen Frühling am Hindukusch. Aber ständig ist ihr Aufbruch in Gefahr, gerät der Alltag zur Gratwanderung. Aus Normalität wird verstörende Wirklichkeit. Geschichten so bedrückend wie Mut machend. Kunduz ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Norden Afghanistans. 2001 fiel die Stadt erst nach Gegenwehr der Taliban an die Nordallianz, die für die US-Intervention am Boden kämpfte. Die Internationale Schutztruppe ISAF baute hier ihr erstes Lager außerhalb von Kabul. Bis 2006 blieb es relativ ruhig. Das Wiedererstarken  bewaffneter Regierungsgegner und der Truppenausbau von NATO, US- und afghanischen Streitkräften machen Kunduz seitdem zu einem zunehmend umkämpften Schauplatz. 2009 befahl ein deutscher Offizier hier die Bombardierung zweier von Taliban entführter Tanklaster. Mindestens 90 Menschen kamen dabei ums Leben.
Bis heute fehlt ein authentisches Bild von den Menschen in Kunduz. Das Filmteam hat deshalb den direkten Kontakt mit der Bevölkerung vor Ort gesucht, ohne Begleitung durch Militär. Was es neben dem grandiosen Film noch zu sagen und zu fragen gibt, darüber möchte Regisseur Martin Gerner nach dem Anschauen des Streifens auch gerne mit seinem Publikum am Mittwoch, 6. September 2017 ab 19.30 Uhr im "Soziokulturelles Zentrum Klösterchen" an der Dahlemerstraße 28 in Herzogenrath ins Gespräch kommen. Für den Abend im Kulturhaus, der als Kooperationsveran- staltung von Amnesty International, der "Save-me-Kampagne", dem Katholikenrat Aachen-Land und dem Kulturzentrum selbst wird kein Eintritt erhoben. Zur Deckung der Kosten sind allerdings Spenden sehr willkommen, die auch in die Arbeit mit jungen afghanischen Flüchtlingen im Klösterchen gesteckt werden sollen. Nach den mehr als zynischen Abschiebungen nach Afghanistan, die der Bundesinnenminister mit der Existenz befriedeter Regionen dort begründet und der Weigerung auch des Herzogenrather Stadtrates, sich für einen Abschiebestopp in dieses Land einzusetzen, dürfte der Film auch dazu beitragen, anders über die Menschen zu reden und zu urteilen, die dem gewalttätigen Inferno dort zu entrinnen versuchten, indem sie bei uns in Deutschland Schutz gesucht haben.

Mittwoch 6. September 2017, Klösterchen, Herzogenrath