Fr 10.05.2024 18:00 Alter: 36 days

Erinnern, gedenken und mahnen

Kategorie: Mai, Kulturveranstaltung

Erinnern, gedenken und mahnen

Während individuelle Gedenktage in der Regel weniger Menschen betreffen, ist es bei kollektiven Tagen dieser Art ein großer Teil der Gesellschaft oder einer ganzen Nation, die sich ihrer Geschichte und der Bedeutung von Daten und Anlässen vergewissern, um möglichst auch Gegenwart und Zukunft davon ausgehend zu gestalten. Denn nur wer die Vergangenheit kennt und sie einzuordnen in der Lage ist, kann daraus Perspektiven entwickeln und für neues und verändertes gemeinsames Handeln lernen. Am 10. Mai 2024 ab 18 Uhr erinnern verschiedene Akteure mit einem gemeinsamen Gedenkakt im "Soziokulturelles Zentrum Klösterchen" an der Dahlemerstraße 28 in Herzogenrath an die von den Nazis und ihren Schergen organisierte sogenannte Bücherverbrennung in der Nacht vom 10. auf den 11.5.1933 auf dem Berliner Opernplatz, wovon unzählige andere Aktionen dieser Art ausgingen, nachdem bereits vorher viele Büchereien und Bibliotheken dem Jargon und der Aufforderung der Nationalsozialisten nach um die Literatur "gereinigt" worden waren, die ihrer Kampagne "Wider dem undeutschen Geist" gemäß mit einem großen Feuerfanal endgültig als verfemte Literatur brandmarken sollte. So wurden alleine in Berlin 20 000 Bücher Opfer der Flammen, wozu hier 80 000 Menschen unterschiedlicher Milieus an den öffentlichen Feuern zusammenkamen. Diese Aktionen waren ein entscheidender Schritt auf dem Weg in die totale NS-Diktatur und waren wie alles bei den Nazis minutiös geplant und ausgeführt. Reichsweit wurden "Zwölf Thesen wider den undeutschen Geist" plakatiert. Sie umfassten unter anderem die Forderung, die deutsche Sprache müsse "reiner und unverfälschter Ausdruck" des deutschen "Volkstums" sein. Auf den Scheiterhaufen landeten Werke zahlreicher bekannter Schriftsteller, Journalistinnen und Wissenschaftler; unter anderem von Bertolt Brecht, Erich Kästner, Alfred Döblin, Anna Seghers, Erich Maria Remarque, Else Lasker-Schüler, Sigmund Freud und Kurt Tucholsky. Die Bücherverbrennung richtete sich also wie man hätte vermuten können, nicht nur gegen jüdische, sondern auch gegen sozialistische und liberale Autorinnen und Autoren sowie gegen andere Gegner der Nationalsozialisten und deren Theorien und politische Positionen. Das machen die sogenannten Feuersprüche deutlich, mit denen Bücher auf die Scheiterhaufen geworfen wurden. Da diese Vernichtungsorgie, die nicht nur die Literatur, sondern später auch die Autoren selbst betraf, die außer Landes fliehen mußten oder ermordet wurden, hat die Intention der Nazis auch weltweit bis in unsere heutige Zeit immer wieder Nachahmer durch jeweilige Machthaber gefunden mit "Früher verbrannt, heute verbannt" gefunden. Das breit gefächerte erinnernde Programm im Kulturzentrum nähert sich dem Fanal nicht alleine vom Gedenken her, sondern legt ebenso einen Schwerpunkt mit Literatur, Musik und Kunst auf seine Auswirkungen hin, um Muster erkennbar zu machen und durch Transformation rechtsradikale und völkische Konzepte und deren Parteien und Institutionen als auch für heute brandgefährlich zu demaskieren. Zur Gedenkveranstaltung wird kein Eintritt erhoben, wobei gerne für die Antirassismus-Arbeit des Kulturzentrums gespendet werden darf.

Freitag  10. Mai 2024  18 Uhr,  Klösterchen Herzogenrath